EHZZ                                    Informationen zur Musikgeschichte, Kapitel Instrumental-, Filmmusik, Jazz, Experimentalmusik
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EHZZ - Historie

Einige Vorbemerkungen

Band- oder gar Personen - Kult gab es bei EHZZ nie und solches war auch nie beabsichtigt. Das war von EHZZ - Gründer Jackomo Schneider sozusagen in den goldenen Grundregeln der Band manifestiert worden. Überhaupt bestimmten bei EHZZ für die
se Branche eigentlich eher ungewohnte, feste Grundregeln die Rahmenbedingungen. Hausregel Nummer 1, die vor allem von Jackomo Schneider und Gitta Cordes ins Leben gerufen worden war, lautete stets: "Ein Musiker, der keine Noten kann, ist wie ein Schriftsteller, der Analphabet ist.", - will heissen, beides schloss sich im EHZZ - Produktionsalltag eigentlich aus. Die zweite goldene Grundregel war eben, dass der eingangs schon erwähnte Personenkult generell ausgeschlossen wurde. So wurden nach außen hin die Namen der jeweiligen Bandmitglieder damals immer geheim gehalten, nicht etwa, um daraus eine gewisse Mystik abzuleiten, sondern weil man einfach sagte, dass es für die Musik als solche keine Rolle spiele. Was viele Musiker als das Salz in der Suppe bezeichnen, nämlich Auftritte vor einem Publikum, wurde bei EHZZ  immer als restlos uninteressant empfunden.  Jackomo Schneider hat einmal gesagt: "Wir wollen eine bestimmte Musik hervorbringen und dabei stört das Publikum nur, indem es durch seine Reaktionen Einfluß auf unsere Musik nehmen würde." Es ging darum, ein bestimmtes musikalisches Ergebnis zu erzielen und nicht darum, dies auf irgend einer Bühne einem Publikum vorzuführen. So betrachtet kann man EHZZ eben auch nicht als Interpreten bezeichnen, da es eben nicht darum ging, ein Stück zu interpretieren, sondern nur darum, es zu produzieren. Eine Haltung, die viele Musiker bis heute nicht verstehen, aber sei es drum. Einige sehr wenige Auftritte vor kleinem Publikum hatte es dennoch gegeben. Nicht mehr ganz nachvollziehbar ist heute die Anzahl dieser Auftritte, jedoch dürfte sie insgesamt bei höchstens 5 liegen. Jackomo Schneider, der je nach Laune auch durchaus mal ein Freund heftiger Worte war, sagte zum Thema Publikum ein wenig provokant: "Ob einer Zuhörerschaft, einem Publikum oder sonst wem unsere Musik gefällt oder nicht gefällt, das liegt für mich in der Bedeutung irgendwo im fließenden Übergangsbereich zwischen Egal und Scheissegal!" Die anderen EHZZ - Mitglieder sahen das im Allgemeinen keineswegs so verbissen, wenngleich auch für sie bei den EHZZ - Produktionen eine mögliche Publikumswirkung keine beeinflussende Größe bei der Komposition, der Spielweise oder der Instrumentierung war. Solche Gedanken wurden erst gar nicht ins Kalkül gezogen. Die Musik wurde stets nur zum eigenen Spaß an der Sache, zum "Basteln mit Tönen" oder auch zum Üben gemacht. Bei EHZZ gab es kein Interesse daran, Musik zur Vermarktung zu produzieren, um damit Einnahmen zu erzielen; solche Überlegungen spielten absolut keine Rolle. Klar, EHZZ war stets eine reine Studio-Band und selbst das Wort Band oder Gruppe ist hier eigentlich fehl am Platze, Produktionsgemeinschaft wäre vielleicht eine treffendere Bezeichnung.
Was es bei EHZZ, im Gegensatz zu vielen anderen Experimental - Bands der damaligen Zeit, ebenfalls nie gegeben hat, waren Drogen- Exzesse. Ein absoluter Grundsatz von EHZZ lautete: No Drugs. Drogen und Alkohol (sofern man dies überhaupt trennen kann) waren bei EHZZ absolut verpönt und in den Studioräumen strikt untersagt. "Musik ist unsere einzige Droge - und auf die wollen wir uns konzentrieren, das geht aber nicht, wenn die Birne von anderen Drogen in andere Bahnen gelenkt wird.", lautete seinerzeit hierzu eine Angabe von Gitta Cordes, die so auch gleichermaßen für alle galt. Wer gegen dieses ungeschriebene EHZZ - Gesetz verstieß, konnte sofort gehen.

Damals tauchte immer wieder die Frage auf, wass denn EHZZ eigentlich überhaupt heißen soll, wofür das steht. Ist es eine Abkürzung? Ein Synonym oder was auch immer? - Diese Frage wurde nie und nimmer brauchbar beantwortet. Vermutlich fiel den Gründern - also wahrscheinlich Jackomo Schneider selbst - dieser Name für dieses Projekt spontan ein, ohne selbst genau eine Bedeutung in die einzelnen Buchstaben des Namens zu interpretieren, das war schon alles.

Falls einmal bei irgend einem Anlaß Fotos von der Band oder dem Studio gemacht wurden, geriet Schneider gleich in Rage und verlangte von den Fotografen, dass sämtliche Personen auf den Fotos unkenntlich gemacht würden. Für diese Marotte war Schneider seinerzeit bekannt und gefürchtet, besonders seit er einmal einem Fotografen die Kamera entrissen und in die Toilette geworfen hatte. Diese Geheimniskrämerei um die Personen behielt man bei EHZZ auch später bei, sogar noch zu der Zeit, in der Jackomo Schneider schon nicht mehr aktiv mitwirkte. Vielleicht hatte sich diese Marotte auch schon zu einer Art Tradition entwickelt, von der man dann einfach nicht mehr ablassen wollte. Andererseits tauchten auf einigen Cassetten - Covern durchaus schon mal Bilder von einzelnen EHZZ - Mitgliedern auf, insbesondere mehrmals von Agathe Bogen und ein paar mal von Gitta Cordes, gelegentlich auch von anderen. Diese Fotos dienten dort eigentlich nur einem "titelunterstützdenden" Aspekt und es stand auf der Cassettenhülle auch nirgendwo ein Hinweis darauf, um wen es sich bei der abgebildeten Person handelt. Da die Leute seinerzeit in der Öffentlichkeit ohnehin nicht bekannt waren, kam auch erst niemand auf die Idee, dass es sich dabei tatsächlich um Mitwirkende handeln könnte.

Cover BlaupauseCoverfront Erwartung
Coverbild des Cassetten - Albums Blaupause aus dem Jahre 1983. Im Gegensatz zu den meisten anderen Cassetten - Alben gab es auf diesem ausschließlich separate Titel, die unter dem Oberbegriff "Blaupause" und dann mit einem Zusatztitel versehen, dort veröffentlicht wurden. Diese Titel sind in der Discografie nicht einzeln aufgeführt. Alle Titel dieses Albums sind nicht auch noch auf anderen Medien erschienen, weder früher noch später. Bekanntlich lagen bei nahezu allen Alben und auch bei allen Cassetten - Singles die Stückzahlen äusserst gering, aber bei Blaupause war sie noch geringer. Es dürften vielleicht 10 - 30 Exemplare davon hergestellt worden sein, mehr nicht. Also passend zum Titel eine Art "Blaue Mauritius" unter den Alben.Coverfront der Single - Cassette "Erwartung" von 1980. Das Titelstück "Erwartung" ist musikalisch gesehen als Jazzrockballade zu bezeichnen und wurde von Agathe Bogen komponiert, die hier in drucktechnisch verfremdeter Form auch auf dem Coverbild zu sehen ist. Die B - Seite enthielt eine überarbeitete Fassung von Jackomo Schneiders Titel "Streckenteisten - Hits". Viele werden sich fragen, was das denn heissen soll, das erklärt sich allerdings selbst, wenn man den Titel hört, weil es ein Titel mit teilweisem Text ist, wo sich ein Sprecher bzw. Sänger verhaspelt, woraus dann dieser Begriff entsteht. Als kleiner ehzztypischer Spaß hatte man auf der Coverfront in Anlehnung an Supermarkt - Werbung oben noch aufgedruckt "Jetzt neu ! Weniger Musik fürs gleiche Geld !"

Doch zu der EHZZ - Historie selbst.

1976 wurde EHZZ in Bonn am Rhein, der damaligen Bundeshauptstadt, geründet. Gründer und langjähriger Kopf der Gruppe war Jackomo Schneider, sozusagen als musikalischer Direktor. Von Anbeginn bis zum Ende dabei war Agathe Bogen, sämtliches andere "Personal" wechselte mal sporadisch, um dann vielleicht nach einem Monat oder auch erst nach einem Jahr erneut dabei zu sein. Die Regelbesetzung war selten kleiner als vier Leute. Zeitweise tummelten sich auch bis zu sieben Musiker zeitgleich in der Band. Man muss allerdings schon sagen, dass es Mitwirkende gab, die meistens dabei waren, so dass man diese als harten Kern von EHZZ bezeichnen könnte. Dazu zählen neben Agathe Bogen, die definitiv immer dabei war, auch noch Jackomo Schneider, Gitta Cordes, Wolfgang Kesselheim, Barbara Markay und Michael Keller. Näheres zu den Mitgliedern von EHZZ finden Sie jedoch auf der Seite PERSONEN.

Produzent der meisten Aufnahmen war Michael Keller, der auch heute noch eine kleine, spezialisierte Musikproduktion in Weilerswist betreibt, unweit von Köln und Bonn. Da Keller die durchaus hohen Qualitäten der Musiker erkannte und mit ausgefeilteren Musikstücken diese besser zur Geltung kommen lassen wollte, entstanden zuweilen leichte Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Jackomo Schneider, die aber stets gütlich und kurzfristig beigelegt wurden. Jackomo
Schneider sah zum damaligen Zeitpunkt in jedem Aufschwung in Richtung professioneller Verwertung den Untergang seiner Grundidee. Daher arbeitete er stets daran, sämtliche Bemühungen in diese Richtung, die vom Rest der Gruppe und dem Produzenten zeitweise etwas angekurbelt wurden, im Keim zu ersticken. Schneiders Grundsatz lautete: Wir müssen bewusst auf jede Vermarktung verzichten, um das zu erhalten, was wir mit der Musik ausdrücken und anstellen wollen. Dieser Kurs konnte, vor allem auf Betreiben Jackomo Schneiders, dauerhaft beibehalten werden. Als sich dann aber doch gelegentlich die Bestrebungen der anderen Bandmitglieder und des Produzenten durchsetzten, die einzelnen Stücke zumindest in ausgefeilterer Qualität mit einem höheren Produktionsaufwand zu vervollkommnen, verlor Schneider leider zunehmend das Interesse an der Sache. Schneider stand immer auf dem Standpunkt, dass er lieber in der Zeit, wo man ein einziges Stück in Spiel- und Produktionsweise besser arrangiert und optimiert, fünf andere Stücke in mässiger Gesamt-Qualität hervor bringt. So lief die Besetzungsschere in den letzten beiden Jahren ab 1983 genau entgegengesetzt auseinander. War in den ersten sieben Jahren Jackomo Schneider neben Agathe Bogen immer die feste Größe von EHZZ, so fanden seit 1983 immer öfters EHZZ - Produktionen ohne Jackomo Schneider statt. Er stieß dann nur noch zeitweise für einzelne Projekte hinzu. Die einzige, die wirklich bei restlos allen Produktionen vom Anfang 1976 bis zum Ende 1985 dabei war, war Agathe Bogen. Ungefähr seit Mitte 1984 hat Jackomo Schneider an keiner einzigen Produktion mehr mitgewirkt. Schneider verfolgte ab etwa 1984 vorwiegend eigene Projekte. Behauptungen, dass hinter Jackomo Schneider ein wesentlich später bekannt gewordener, ganz anderer Schneider steckte, wurden früher grundsätzlich nicht weiter kommentiert, treffen aber nicht zu.

Cover Plastisches HilfsunwetterCover B 9
Coverfront der Cassetten - EP
"Plastisches Hilfsunwetter in Tirol" von 1982.
Neben dem Titelstück, welches aus 7 separaten Parts besteht und sich über mehrere Stufen vom  alpenländischen Volkswalzer zum Jazz -Stück  entwickelt,  war noch die Jazzballade "Zauberwald" von 1981 sowie das Rockjazzstück "Armont" von 1982 darauf. Also ein buntes Gemisch verschiedenster Stile.
Cover des Albums "B 9" von 1979.
Es enthielt insgesamt 5 Titel, darunter neben dem Titelstück "B 9" u.a. auch noch "Post von der Post" und "Middaymist". Manche der Titel erschienen später zusätzlich auch noch auf einer EP bzw. Single - Cassette.

Die Brötchen verdiente EHZZ damals unter verschiedenen anderen Projekt-Namen mit der Erstellung von Hintergrundmusik, Musik für Werbespots und der Vertonung von ebensolchen, insbesondere für Kinowerbung, was aber genau betrachtet mit EHZZ nichts mehr zu tun hatte. Man kann sagen, dass das vorhandene Produktionsequipment im Bonner Studio mehr oder weniger nach Feierabend zur Umsetzung der EHZZ - Produktionen verwendet wurde. Das Studio wurde im letzten Jahr des Bestehens noch von Bonn in die Eifel verlegt, da dort bessere räumliche Verhältnisse verwirklicht werden konnten. Alle Produktionen, die ab Ende 1984 entstanden, wurden bereits im neuen Studio in der Eifel aufgenommen. Neu ist dabei jedoch relativ zu sehen, denn es wurde dort teils das alte Equipment aus dem früheren Bonner Studio aufgebaut, soweit dies übernommen werden konnte. Diese Geräte stammten zum Teil noch aus den 50iger,  60iger und 70iger Jahren. Mit dieser Technik waren einer zeitgemässen Produktion jedoch enge Grenzen gesetzt, zumal viele der Geräte durch die mehrfachen Umzüge grundlegend überholt werden mussten (es waren ja teils Geräte aus "dritter Hand" - sprich sehr gebraucht) und es wären weitere extrem hohe Investitionen in neue Technik notwendig geworden. Zugleich stand eine Umbenennung der Gruppe ins Haus, da der Name EHZZ zusammenhängend ausgesprochen fast genauso klingt, wie die zu dieser Zeit ins Gespräch kommende entsetzliche Immunschwächekrankheit Aids, was den Klang des Namens extrem negativ besetzte. Unter solchen Vorzeichen wollte und konnte man nicht weiter produzieren. Hinzu kam nun noch erschwerend, dass mehrere Mitglieder  weiträumig umzogen waren oder eine Familie gründeten, wonach eine Weiterführung des Musikbetriebes im bisherigen Stil auch nicht mehr ohne weiteres möglich war. Einige wenige von ihnen hängten sogar damals die Musik ganz an den Nagel, während andere sich auf eigene Projekte konzentrierten. Die letzte Phase war noch einmal ein regelrechtes Aufbäumen und es wurden besonders viele hochinteressante Titel zwischen April 1984 und Ende Mai 1985 produziert. Selbst im Februar 1985 kam noch ein Spezialalbum als vorletztes Album heraus. Seit Mitte 1985 ist EHZZ Geschichte, nachdem Ende Mai 1985 noch ein allerletztes kleines Album auf Musik- Cassette mit ganzen sieben Musikstücken darauf entstand. Qualitativ, von der Ton- und Spieltechnik her, war dieses Abschiedsalbum mit Abstand das Beste, was jemals von EHZZ herausgegeben wurde. Ein Musikfreund sagte damals, das haben die extra gemacht, damit der Abschied so richtig weh tut.

Da es neulich mehrmals angeprochen wurde, sei es auch hier zunächst nur kurz erwähnt, bei EHZZ wurden zeitweise neben Musik auch Kurzhörspiele produziert, meist Kriminalhörspiele. Desweiteren wurden Tonbeiträge wie Berichte, Abhandlungen usw. erstellt, die als Toncassette meist von Auftraggebern in kleinem Kreis vertrieben wurden, zB. für innerbetriebliche Lehrgänge, Mitarbeiterinformationen oder auch für sogenannte Ansagegeräte. Letztere sind vielen sicher bekannt, zB. von Telefonansagen, innerbetrieblichen Ansagen über Ruf- und Beschallungsanlagen (die bekannteste Form solcher Anlagen sind sicher die Bahnsteigansagen auf Bahnhöfen oder bestimmte Ansagen in Großbetrieben über Lautsprecheranlagen). Heute läuft so etwas natürlich alles computergesteuert ab, während derartige Dinge früher meist als Magnetband oder Magnetplatte (Größe wie eine LP, aber nicht mit Rillen, sondern mit Magnetbeschichtung) vorlagen. Das zählt allerdings nicht zum Musikbereich und ist somit eigentlich nicht so recht passend zu diesen Seiten hier. Außerdem wurden diese "Textproduktionen" in der Regel nicht unter dem Namen EHZZ vertrieben, sondern unter EMP oder dem Namen des Auftraggebers.


Cover SchädelresonanzCover Ein zarter Kopfschmerz
Cover des Cassetten - Albums
Schädelresonanz von 1983. Neben dem Titelstück enthielt das Album 6 weitere Stücke, die zum Gesamtprojekt Schädelresonanz gehörten, die in der Discografie nicht separat aufgelistet sind.
Coverfront der Cassetten - Single "Ein zarter Kopfschmerz" von 1978. Auf der B - Seite war der Titel "Orpheus in der Unterhos' '". Das Coverbild wird übrigens von Christine Zimmer geziert, die beim Titel der B - Seite mitwirkte.

Damals, 1976 war eigentlich die gute alte Vinyl-Schallplatte noch der Tonträger schlechthin. Da EHZZ sich für seine gering verbreitete Projektmusik jedoch keine teuren Schallplattenaufnahmen leisten konnte / wollte, da mit der Musik ja auch keine Einnahmen erzielt wurden, und die CD noch nicht existierte, wurden alle Alben und Produktionen auf MC = Music-Cassette erstellt. Man muss sich vor Augen halten, wir sprechen hier von Stückzahlen, die je nach Album meistens in Größenordnungen zwischen 20 und 200 Stück lagen. Selbst die stückzahlenstärksten Produktionen erreichten insgesamt nur knapp 1000 Stück (ausgehend von den produzierten Originalen, spätere Neuauflagen nicht mit gerechnet); in diesen Werten sind evt. ausländische Tonträger nicht enthalten, da es für deren Anzahl heute keinerlei Anhaltspunkte mehr gibt. Für heutige Verhältnisse also geradezu lächerlich geringe Mengen. Des weiteren kann EHZZ sich wohl das Kuriosum auf seine Fahnen schreiben, (so weit bekannt) weltweit als erste Band Single - Produktionen als Music-Cassette herausgebracht zu haben. Das war dann eine Music - Cassette mit nur einigen Metern Band darauf, so dass die beiden Stücke gerade einmal darauf passten, eines auf der A - Seite und eines auf der B - Seite, was die gute alte Cassette mit der noch älteren Platte gemeinsam hatte. Somit kann man EHZZ immerhin als Erfinder der Single - Music - Cassette bezeichnen, was später von einigen anderen Musiklabels durchaus auch aufgegriffen und nachgeahmt wurde, allerdings meist für Werbezwecke. Es gab auch zahlreiche Cassetten - Titel, die 3 oder 4 Musikstücke enthielten. Das entspräche bei Vinylplatten also schon einer EP, einem Zwischending zwischen Single und LP, meist in den Abmessungen einer Single, aber mit der Abspieldrehzahl einer LP (33 U/min), also ist EHZZ so gesehen dadurch auch der Erfinder der "Music - Cassetten - EP", was aber letztendlich heute auch keinem wirklich etwas nützt, wenn man ehrlich ist, da das Medium Music - Cassette im Prinzip längst tot ist, egal ob als Normal-, Single- oder EP - Cassette. Ehzz - Gründer Jackomo Schneider hatte für diese extrem kurzen Spezialcassetten in seiner Verwandtschaft eine günstige Bezugsquelle, wodurch sich das geradezu aufdrängte, wahrscheinlich wäre man sonst erst gar nicht auf die Idee gekommen. Ursprünglich wurden diese Kurzcassetten damals eigentlich für spezielle Datenspeichergeräte hergestellt und in Spieldauergrößen zwischen 5 und 30 Minuten als Leercassette vertrieben. Die Vervielfältigung der Cassetten fand ebenfalls im Hause statt, hierzu gab es in einem Nebenraum des Studios eine halbautomatische Cassettenkopiermaschine, die in einem Viertel der eigentlichen Spieldauer auf einen Schlag 8 Kopie - Cassetten erzeugen konnte. Die Cover wurden teils als Vorentwurf von einigen Ehzz - Mitgliedern selbst gestaltet, wobei sie professionelle Unterstützung bei einer befreundeten Druckerei fanden, die direkt in der Nachbarschaft lag, wo sie auch kostengünstig nach Feierabend gedruckt wurden und dann von den Ehzzern selbst in Handarbeit auf die Cassettenbeilage aufgeklebt und in das Cassettengehäuse eingelegt wurden. Frau Neumerkel, der die Studioimmobilie gehörte, betrieb auch diese Druckerei, wodurch sich diese Möglichkeit auf kurzem Weg zu den reinen Materialkosten ergab. Zudem war der Chefgrafiker der Werbefirma von Frau Neumerkel selbst intensiver Freizeitmusiker und half daher begeistert bei der Realisierung der Entwürfe. Ohne diese glückliche Fügung wären derart aufwändige Cover mit den damaligen Möglichkeiten für solche Kleinserien, die kein Geld einspielten, niemals machbar gewesen. Auf diese etwas umständliche, aber sehr kostengünstige Weise entstanden im Laufe der Jahre alle EHZZ - Cassetten quasi in Handarbeit. 



Einige "Meilensteine" in der EHZZ - Historie in Stichworten

1976 - Gründung in Bonn durch Jackomo Schneider
1977 - erste Anerkennungen und Erfolge bei Musikwissenschaftlern / Kritikern
1977 - Herausgabe der weltweit ersten Music-Cassetten-Single (Nur 2 Titel auf einer Music-Cassette)
1978 - erste Hintergrundmusik (instrumental) für Filme
1978 - Produktion einer Entspannungs-Hintergrundmusik-Cassette für lange Autofahrten
1979 - erste Fassung des erfolgreichsten EHZZ - Stückes überhaupt "Casablanca in Aspik"
1980 - kurze Versuche mit einem anderen Produzenten scheitern, diese Stücke wurden nie zuende geführt
1980 - neue Aufnahmen mit dem bewährten Produzenten führen zu einigen beginnenden Erfolgen
1981 - zeitweise größere personelle Umschichtungen verändern auch den Klang fast vierteljährlich
1982 - Neuaufnahme einer qualitativ wesentlich besseren Version von "Casablanca in Aspik"
1983 - deutliche Verbesserung der Arrangements und der technischen Aufbearbeitung
1983 - Jackomo Schneider wirkt nicht mehr bei allen Produktionen mit
1984 - ab der zweiten Jahreshälfte wirkt Jackomo Schneider gar nicht mehr mit
1984 - erste Aufnahmen im neuen Studio in der Eifel bringen mehr Perfektion in die Ergebnisse
1984 - vor allem Hintergrundmusik für so genannte akustische Kopf - Filme usw. setzen Meilensteine
1985 - das Ende wirft seine Schatten voraus.
1985 - das letzte, zugleich aufwändigste und ausgeklügeltste Album erscheint Ende Mai.
          Danach ist EHZZ "Musikgeschichte"

Der ProduzentEHZZ - Cassette Japanehzze
Bei manchen Titeln hieß es für den Produzenten einfach nur: "Ohren und Augen zu und durch....."



oben: Coverfront des Albums "Japanehzze" von 1977. Es war ein "sortenreines" Album, dh., es befanden sich ausschließlich Titel aus dem Projekt Japanehzze darauf, keine anderen Titel. Auf der A Seite waren die Parts 1 bis 3, während auf der B - Seite die Parts 4 bis 7 zu finden waren.
EHZZ - Cassette Frau vom anderen SternEHZZ - Cassette Schallmauer
oben: etwas verspieltes Cassetten - Outfit der Dreititel - EP - Cassette "Frau vom anderen Stern". Wie zu sehen, befanden sich auf der B - Seite zudem noch die Titel "Sunny Valley" und "On Tour". Beim Titelstück handelt es sich um Avantgardejazz, der in dieser Form sicher nicht jedermanns Geschmack trifft, um es mal sehr zurückhaltend auszudrücken. Fast schon im krassen Gegensatz dazu die beiden im Vergleich beinahe schon biederen Titel der B - Seite. Die Cassette erschien 1979.oben: Cover der Single - Cassette "Schallmauer" von 1982. Der zweideutige Haupt - Titel, der sich auf der A - Seite befindet, wurde in Gemeinschaftsarbeit von Jackomo Schneider und Michael Keller komponiert und zur Erstellung kamen neben typischen Instrumenten auch noch diverse Geräusche zum Einsatz, die man teils draussen mit einem leicht  transportablen UHER - Bandgerät eingesammelt hatte. Auf der B - Seite wurde, wie oben zu lesen, das Stück "Mister Abfluß" von Viom Güchk verewigt.

EHZZ - Cassette Die Farbe deiner TräumeEHZZ - Cassette Kranke Schwester
oben:
Deckblatt des Albums "Die Farbe deiner Träume", welches im Jahr 1983 entstand. Neben dem Haupttitel fanden sich dort auch noch Versionen der Titel "Tol(l)e - Ranz / Walk Right In / Die Freiheit genießen / Schädelresonanz - Part 2". Der Haupttitel ist eine langsame Bossa Nova - Nummer, die, entgegen der sonstigen Gewohnheit, ausschließlich auf diesem einem Album veröffentlicht wurde. Alle anderen Titel dieses Albums fanden sich unterdessen auch auf verschiedenen anderen Cassetten wieder. Über Kontakte von Agathe Bogen wurde diese Cassette zudem auch in Brasilien vertrieben, wo sie sogar deutlich höhre Stückzahlen erreichte, als hier in Deutschland.
oben:
Coverfront der Cassette "Kranke Schwester" aus dem Jahre 1980. Die enthaltenen Titel waren aufgedruckt, was hier noch lesbar sein dürfte. Besonderheit an dieser Cassette: es war zugleich ein Experiment mit der sogenannten 3D-Raumklang - Kunstkopf - Stereophonie, was sich bei der Cassette als Tonträger aber nicht sonderlich bewährte, da die Qualität nicht ausreichte, um die Wirkung voll zu entfalten, weshalb es bei diesem einen Versuch blieb. Der Titelsong ist eine saxophonlastige Jazzballade und einer der wenigen EHZZ - Titel, die von Uwe Doldinger-Richter komponiert worden waren. Von dieser Cassette existiert hier kein Exemplar mehr, auch damals war die aufgelegte Stückzahl sehr gering (geschätzt etwa 50 Stück).




Die Informationen zu Fremdproduktionen finden Sie ab sofort auf der eigenständigen Seite "Fremdproduktionen" (Fremd-P).

Aufgrund der Fülle an Material zu diesem Thema haben wir uns entschlossen, zu den Fremdproduktionen eine eigene Seite einzurichten. 


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